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Sozialpolitische Veränderungen stellen die Träger der Eingliederungshilfe vor neue Herausforderungen. Der gewünschte Wandel vom „Fürsorgesystem“ hin zu einem personenzentrierten, bedarfsgerechten Teilhabesystem veranlasst die Verantwortlichen zum Überdenken, zur Umstrukturierung bzw. zur Erweiterung ihres Dienstleistungsangebotes.

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Birgitta Neumann

Management- und Organisationsberaterin. Ansprechpartnerin für Unternehmen der Behindertenhilfe

Birgitta Neumann

Montag, 18 Dezember 2017 15:14

Entwicklung einer ICF-basierten Teilhabeplanung und Evaluation bestehender Hilfe- und Förderplanungen

 Eva Marie Hoff

 Eva-Maria Hoff,
Organisationsberaterin

Bis 2023 ist die Hilfe- und Förderplanung laut BTHG (Bundesteilhabegesetz) rechtsverbindlich auf Basis der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) durchzuführen. Da in der Praxis bei der Hilfebedarfsermittlung ganz unterschiedliche Modelle Anwendung finden, stehen Einrichtungen neben der Auseinandersetzung mit den Inhalten der ICF vor allem vor den Herausforderungen, die eine individuelle Evaluation ihrer eingesetzten Instrumente zur Bedarfsermittlung und der Entwicklung einer ICF-basierten Teilhabeplanung mit sich bringt. Von der initialen Auseinandersetzung mit der Thematik und der Überprüfung interner Prozesse bis hin zur Durchführung von Testphasen der konzeptionierten Ermittlungsinstrumente ergibt sich für Einrichtungen der Eingliederungshilfe eine Vielzahl von Fragestellungen.

Die Teilhabeplanung in der Eingliederungshilfe ist kein linearer, sondern ein zyklischer Prozess, welcher Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen soll. Während zunächst im Rahmen einer Hilfe- oder Gesamtplanung Leitziele mit dem Klienten erfasst und der Hilfebedarf ermittelt werden, setzt die kleinteiligere Förderplanung kurzfristige Ziele und ist Mittel zur Planung und Reflexion konkreter Unterstützungsmaßnahmen. Sowohl die konkrete Förderplanung als auch die Gesamtplanung erfasst zunächst die aktuelle Lebenssituation der Betroffenen und untersucht anschließend regelmäßig die aufgestellten Vereinbarungen auf Fortschritte hin, um (Teil-) Ziele und Unterstützungsmöglichkeiten anzupassen. Die Forderung nach einer ICF-basierten Hilfe- und Förderplanung erfordert seitens der Einrichtungen neben einer umfangreichen Auseinandersetzung mit dem Aufbau der ICF und ihrer Items vor allem die Entwicklung eines Instruments zur Hilfe- und Förderplanung, welches sich auf die Klassifikation stützt und den neuen Behinderten- und Teilhabebegriff des BTHG berücksichtigt. Bei der Entwicklung einer ICF-basierten Hilfe- und Förderplanung ist besonders das ihr zugrundeliegende psycho-soziale Modell und die ressourcen- und defizitorientierte Betrachtungsweise der ICF zu berücksichtigen. Vor der Ausarbeitung eines neuen Verfahrens sind jedoch zunächst eine Evaluation der derzeitig eingesetzten Instrumente zur Bedarfsermittlung und ein Vergleich mit den sich aus dem BTHG ergebenden Anforderungen erforderlich.

Zukünftige Anforderungen und bereits bestehende Instrumente zur Förderplanung

In der Praxis stehen eine Vielzahl von Instrumenten bei der Hilfe- und Förderplanung zur Verfügung und die grundsätzliche Regelung, dass die nähere Bestimmung dieser Instrumente in den Händen der einzelnen Bundesländer liegt, bleibt auch mit dem BTHG bestehen. Während in einigen Bundesländern bereits seit Jahren Leitlinien für Verfahren verwendet werden, die an Prinzipien der ICF orientiert sind, erfordert das BTHG konkrete Merkmale, die ein Instrument zur Hilfebedarfsermittlung aufweisen muss. Auch wenn das ICF-orientierte HBM-Verfahren nach Metzler beispielsweise den Hilfebedarf bereits in sieben verschiedenen Lebensbereichen erfasst, weist das BTHG die Forderung auf, neun Lebensbereiche hinsichtlich der Aktivität und Teilhabe zu untersuchen. Während die Implementierung aller definierten Items der ICF keineswegs gewünscht, geschweige denn gefordert wird, so ist die Anwendung der vier Komponenten (Körperfunktionen und -strukturen, Aktivität und Teilhabe, Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren) Grundlage für ein ICF-basiertes Instrument. Denn mit ihnen kehrt die Ermittlung des Hilfebedarfs der reinen Defizitbeschreibung den Rücken und erfasst den Menschen im Kontext verschiedener Lebensbereiche, wodurch eine Konzentration auf die Förderfaktoren verlagert wird. In bestehenden Verfahren, wie der Integrierten Teilhabeplanung (ITP), sind genau vor diesem Hintergrund bereits ICF-Items integriert worden.


Modelle, die bisher nicht von der Klassifikation ausgehend entwickelt wurden, können im Zuge der Entwicklung eines ICF-basierten Instruments durchaus als Basis verwendet werden. Auch wenn die Evaluation der eingesetzten Verfahren und die Auswahl, Zuordnung und Beschreibung von ICF Items zunächst einen großen Aufwand darstellen, so lohnt sich dies auch bevor die ersten Ergebnisse von bundesweit erprobten Modellen vorliegen. Denn diese Ergebnisse werden kaum bis dahin entwickelte Vorgehensweisen unbrauchbar machen.

Analyse bestehender und Entwicklung neuer Verfahrensweisen

Der Entwicklung dieser ICF-basierten Vorgehensweise sollte eine umfassende Strategieanalyse vorangehen, wobei es sinnvoll ist, Mitarbeitende von Anfang an in diesen Prozess einzubinden. Die Bildung von Projektarbeitsgruppen hilft zum einen, die bisherigen Erfahrungen der Mitarbeitenden bei der Teilhabeplanung zu erfassen und zugleich beim Neuentwurf potentielle praktische Schwachstellen aufzuzeigen. 


Im ersten Schritt bedarf es einer Dokumenten- und Arbeitsbereichsanalyse, wobei zunächst eine IST-Analyse der aktuellen Hilfe- und Förderplanung hinsichtlich des Ablaufs, der Struktur und der Inhalte aufgestellt wird. Im ehrlichen Austausch über bestehende Stärken und Schwächen des Verfahrens können die damit verbundenen Chancen und Risiken eruiert werden. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, welche Ansprüche der jeweilige Arbeitsbereich hat. So werden für die Hilfe- und Förderplanung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung grundsätzlich andere Item-Listen notwendig sein, als in Wohnbereichen, die stationäre oder ambulante Leistungen der Eingliederungshilfe anbieten.


Im nächsten Schritt wird die Auswahlanalyse der ICF Items vorgenommen. Dabei wird in einem aufwendigen Prozess die Frage geklärt, welche Items mit in die zukünftige Hilfe- und Förderplanung aufgenommen werden. Dem vorangehend ist es unerlässlich, in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden zu erörtern, welche Aspekte der bisherigen Hilfe- und Förderplanung idealerweise bestehen bleiben und welche wegfallen oder angepasst werden sollen. Im Anschluss steht die schrittweise Prüfung der einzelnen ICF-Items und eine Auswahl der benötigten Codes. Die letztendlich ausgewählten Items müssen dann noch den neun Lebensbereichen zugeordnet werden, um den Anforderungen des BTHG Folge zu leisten.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Abgesehen von dem einmalig hohen Aufwand, der bei dieser Auswahlmethode betrieben werden muss, kommen andere Herausforderungen hinzu. Zum einen sind die Items der ICF allein bei der konkreten praktischen Hilfe- und Förderplanung oftmals nicht aussagekräftig genug, um die vorliegende Situation ausreichend zu beschreiben. Um diesem Umstand entgegenzuwirken, ist es notwendig, bei der Konzeptionierung der Dokumentation der Hilfe- und Förderplanung eine Domänendefinition vorzunehmen, wobei die zu erfassende Situation genauso wie die Beschreibung möglicher Lösungsansätze Platz finden. Dies geschieht über die Erstellung von Core Sets, wobei es sich um Kurzlisten mit ausgewählten, für bestimmte Klientensituationen angepassten ICF-Items handelt, welche bei der Hilfe- und Förderplanung als Grundlage verwendet werden. Zum anderen ist in der ICF die quantitative Bewertung (liegt ein Hemmungs- oder Förderfaktor vor) nicht klar definiert. In der Entwicklung von neuen Hilfe- und Förderplanungsmethoden muss also auch die Formulierung der erfassten Ausprägung vorgenommen werden. Zwar sieht die ICF fünf Stufen zur Schweregradeinteilung vor, dazu existiert jedoch keine sprachliche Standardisierung.


Im Anschluss an die Entwicklung entsprechender Core Sets ist eine Testphase, zunächst in einem ausgewählten Arbeitsbereich, zwingend notwendig. Durch die regelmäßige Überprüfung während dieser Testphase kann erhoben werden, welche Items in der Hilfe- und Förderplanung Anwendung finden, welche überflüssig sind und welcher Hilfebedarf mit den ausgewählten Items nicht abgedeckt werden kann. Während dieser Testphase müssen Mitarbeitende im Umgang mit der neuen Verfahrensweise geschult und Grundkenntnisse der ICF vermittelt werden. Dies kann mit der Einbindung der Mitarbeitenden in den Entwicklungsprozess erheblich vereinfacht werden. Dennoch ist auch zu beachten, wie die Dokumentation und die Anwendung der Core Sets technisch umgesetzt werden. Im Zeitalter der Digitalisierung müssen Mitarbeitende möglicherweise auch mit den Systemen, mit denen die Dokumentation stattfindet, vertraut gemacht werden. Darüber hinaus stellt dies Einrichtungen womöglich auch vor die Herausforderung, mit Anbietern von Dokumentationssoftware zu erarbeiten, inwiefern diese individuellen und bestenfalls anpassungsfähigen Verfahrensweisen entsprechend im System abgebildet werden können.


Trotz der zahlreichen Herausforderungen ist eine zeitnahe Entwicklung und Testphase für Einrichtungen der Eingliederungshilfe unabdinglich. Einige Bundesländer stellen Leitfäden zur Implementierung und Umsetzung des ICF-basierten Bedarfsermittlungsinstrument zur Verfügung. Eine individuelle Anpassung für die Anforderungen ist  jedoch ohnehin notwendig, um einrichtungsspezifische Charakteristika zu berücksichtigen. Zudem können so langfristig eigene Leitfäden für eine ICF-basierte Hilfe- und Förderplanung entwickelt werden, in denen die unterschiedlichen praktischen Erfahrungen zahlreicher Leistungserbringer der Eingliederungshilfe einfließen.

Text: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Organistaionsberaterin, contec GmbH

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