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Der deutsche Krankenhausmarkt befindet sich in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess. Das Thema Wirtschaftlichkeit ist in den letzten Jahren erheblich in den Vordergrund gerückt. Kliniken sehen sich mit Gesetzesänderungen und Neuerungen wie dem Krankenhausstrukturgesetz konfrontiert. Wirtschaftlichkeit und Kosteneffizienz müssen weiter optimiert werden. 

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Mittwoch, 25 März 2015 01:00

„Mangelware“ für die Gesundheitswirtschaft – Interview mit Gerhard Ostwald

ostwaldSeit 1986 ist Gerhard Ostwald in unterschiedlichen Funktionen im Top Management verschiedener Krankenhäuser tätig. Darüber hinaus unterstützt er conQuaesso® seit eineinhalb Jahren bei der Akquirierung von Ärzten für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Zehn Jahre Erfahrung zeichnen seine Expertise in diesem Bereich aus. Florian Partner  sprach mit dem Betriebswirt über Personalnot in Krankenhäusern, europäische Ausbildungsstandards und Assessment-Programme für leitende Ärzte.

cZ: Herr Ostwald, was sind entscheidende Unterschiede bei der Personalakquise von Ärzten gegenüber der von Führungskräften in der Sozialwirtschaft?

GO: Der wesentliche Unterschied ist sicherlich darin zu sehen, dass Ärzte in unterschiedlichsten Funktionen, vor allem in Bezug auf Tätigkeiten, die über die medizinische Expertise hinausgehen, in den Krankenhäusern „Mangelware“ sind. Das heißt, wir haben einen klassischen Bewerbermarkt, auf dem wir als Personalberater eigentlich Marketingaufgaben übernehmen, nämlich den Arbeitgeber und die Abteilung vorzustellen und mit Ärzten ins Gespräch zu kommen.  Die Klassische Suche über Stellenanzeigen in Printmedien hat in der Gesundheitswirtschaft hingegen stark an Bedeutung verloren und die wenigsten Ärzte reagieren überhaupt noch auf Printanzeigen. Das liegt daran, dass der Markt sich so sehr dahingehend verändert hat, dass wir die Ärzte auf Stellen ansprechen, sodass diese es nicht mehr zwangsläufig nötig haben, sich anderweitig um Stellen zu bemühen.

cZ: Wie stark wirkt sich der demografische Wandel auf die Berufsgruppe der Ärzte aus?

GO: Vor allem Krankenhäuser werden zukünftig unter dem demografischen Wandel zu leiden haben. Das liegt daran, dass eine enorme Überalterung im niedergelassenen Bereich zu beobachten ist, viele dieser Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und dadurch die Krankenhäuser in eine zusätzliche Wettbewerbssituation kommen werden. Viele Krankenhausärzte aus der Facharzt- und Oberarztebene werden in den niedergelassenen Bereich wechseln, wodurch die Personalnot in den Kliniken sicherlich nicht geringer wird.

cZ: Stellen Rekrutierungen aus dem Ausland eine zukunftsfähige Möglichkeit dar, dem entgegenzuwirken?

GO: Für Assistenzärzte könnte das ein Weg sein, für leitende Ärzte sicherlich nur sehr schwer. In Einzelfällen gibt es hier vielleicht Möglichkeiten, dann aber nur aus dem deutschsprachigen Raum. Sprachbarriere, Mentalitätsprobleme sind hier zu groß und die Ausbildungswege sind einfach zu unterschiedlich.

cZ: Weil es keinen europäischen Standard gibt?

GO: Es gibt sicherlich einen europäischen Standard, diesen jedoch auch nur in bestimmten Ländern und selbst dann sind die Profile nicht hundertprozentig deckungsgleich. Selbst im Vergleich mit der Schweiz treten bereits Unterschiede auf, die nicht unerheblich sind.

cZ: Wird sich durch die Einführung des Bologna-Systems hier zukünftig etwas ändern?

GO: Ich glaube das werden wir so schnell nicht erleben. Gerade in der Medizin stößt das Bologna-System auf Ablehnung. Mit dem Kooperationsprojekt „European Medical School“ der Universitäten Oldenburg und Groningen haben wir europaweit lediglich ein einziges Angebot eines Medizinstudiums mit länderübergreifendem Profil.

cZ: Allerdings ist ja zurzeit der Trend zu beobachten, dass vor allem Fachkräfte aus Ausbildungsberufen fehlen, es jedoch sehr viele Akademiker gibt. Wird sich die Problematik dahingehend in Zukunft vielleicht wieder etwas relativieren?

GO: Wir haben in der Medizin eine starke Beschränkung durch den Numerus Clausus und an den Universitäten in den letzten Jahren eher Ausbildungsplätze abgebaut als aufgebaut.  Ich glaube mittelfristig wird das nicht ausreichen, um eine überalternde Bevölkerung zu versorgen. Die Nachfrage nach Medizin wird sicherlich im Rahmen der demografischen Entwicklung der Bevölkerung eher steigen, als rückläufig sein, denn je älter der Mensch wird, auch durch Medizin und einen guten Lebenswandel, desto mehr fragt er medizinische Leistungen an . Ein Teufelskreis, der von der Politik mitunter ausgeblendet wird.

cZ: Was muss auf gesundheits- und bildungspolitischer Ebene getan werden, um dem entgegenzuwirken?

GO: Ich glaube wir müssten zwei Dinge erreichen. Zum einen müssen wir die Leute, die Medizin studieren, auch hinterher in den Ärzteberuf bringen und nicht in andere Berufe. Zudem müssen diese Anreize dafür bekommen, in Deutschland zu bleiben, statt ins Ausland zu gehen.  Das sind zunächst die grundlegenden Faktoren. Wenn man dieses beides erreichen würde, hätten wir vermutlich auch genug Mediziner.

cZ: Grundsätzlich sind es jedoch nicht generell Mediziner, die fehlen, sondern solche mit ausreichenden Kompetenzen hinsichtlich Personalführung und Unternehmenskultur. Müsste dahingehend bereits die universitäre Ausbildung reformiert werden?

GO: Der leitende Mediziner einer Klinik muss heute neben den medizinischen über sehr gute Kompetenzen in den Bereichen Mitarbeiterführung und Betriebswirtschaft verfügen. Wenn man so will, ist er eigentlich Manager eines Teilbereiches des Krankenhauses. Der Chefarzt klassischer Art wird heute so gesehen vom Abteilungsmanager abgelöst. Für Mediziner, die eine Chefarztposition anstreben, wird es in Zukunft also auch sehr wichtig sein, eine solche Position ausfüllen zu wollen und dies auch offen zu kommunizieren. Denn sie sind dann nicht nur für die gesundheitliche Versorgung zuständig, sondern auch für die Leistung ihrer Mitarbeitenden und die Ergebnisse ihrer Abteilung.

cZ: Ist ein Weg, den Klinikbetreiber darüber hinaus gehen müssen, der, ihre Ärzte in dieser Hinsicht fortzubilden, um die vorhanden personellen Ressourcen gewinnbringend einsetzen zu können?

GO: Für Krankenhäuser ist es sicherlich sehr wichtig, Assessment-Programme durchzuführen, sowohl für allgemein leitende Mitarbeitende in der Medizin als auch für leitende Ärzte. Dies erfüllt nicht nur einen Selbstzweck, sondern ist auch absolut imagebildend für ein Krankenhaus. Darüber hinaus trägt es entscheidend zu einem erfolgreichen Zusammenspiel der Abteilungen untereinander bei,  das eine Klinik unbedingt benötigt, um als Gesamtkrankenhaus erfolgreich am Markt agieren zu können. Große Komplexträger können solche Programme durchaus selber auflegen, während sich für kleinere Träger und einzelne Häuser hier die Unterstützung durch einen Dienstleister, wie conQuaesso®, anbietet. Wir suchen nicht nur den Chefarzt aus, wir begleiten ihn auch in der ersten Phase seiner Tätigkeit. Denn wir erleben es ja auch oft, dass der Leiter einer Abteilung, der neu in eine Klinik gekommen ist, vielleicht nicht so erfolgreich ist, wie man es sich zunächst erhofft hat. Daher ist es sehr wichtig, eine neue Führungskraft zu begleiten und zu eruieren, was gut läuft und was nicht. Das ist ein entscheidender Mehrwert, den ein Kunde im Rahmen einer Stellenbesetzung einkauft, denn oft sind es nur Kleinigkeiten, die über die Erreichung von Zielen entscheiden. Letztlich geht es aber auch um Wertschätzung gegenüber den eigenen Mitarbeitenden, die sich nicht nur in Geld ausdrückt.

cZ: Sie meinen weiche Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit. Wie halten es hier die Akteure der Gesundheitswirtschaft?

GO: Immaterielle Faktoren der Arbeitgeberattraktivität spielen eine große Rolle, viele Kliniken vergessen  jedoch, dass diese stets an die gegebene Personalsituation angepasst werden müssen. Zurzeit ist beispielsweise eine Feminisierung der Medizin zu beobachten. Etwa 60 bis 70 Prozent der Medizinstudierenden sind derzeit weiblich, sprich die Quote weiblicher Ärzte in den Kliniken wird steigen, auch in bisher männlich dominierten Bereichen, wie der Chirurgie. Weibliche Mediziner haben, was Arbeitnehmerfreundlichkeit angeht allerdings völlig andere Bedürfnisse als ihre männlichen Kollegen. Einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat hier ganz klar, wer über KiTas, Betreuung und Familienfreundlichkeit nicht nur redet, sondern diese auch umsetzt. Die zentrale Bedeutung von Mitarbeiterzufriedenheit muss in den Köpfen der Klinikleitungen verankert werden und darf kein Lippenbekenntnis bleiben. Letzten Endes kommen Patienten ins Krankenhaus, um eine gute medizinische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen und eine solche kann man nur erbringen, wenn man über gut ausgebildete und motivierte Mitarbeitende verfügt.

cZ: Herr Ostwald, vielen Dank für das Gespräch!

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