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Case Management 2.0 – Vernetztes Handeln durch Patientenkoordination

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Wordcloud-KKHGastbeitrag von Dr. med. Dominik Deimel
Patientenkoordination als Instrument der Versorgungssteuerung

Welche Strukturen sind notwendig, damit Krankenhäuser eine patientenorientierte und ökonomisch erfolgreiche Versorgung gewährleisten können? Wie lassen sich optimale Führungsstrukturen, interprofessionelles Zusammenarbeiten und unternehmensübergreifendes Handeln im Krankenhaus etablieren?

Das Krankenhaus der Zukunft wird unter dem weiter vorhandenem wirtschaftlichen Druck, dem zunehmenden Wettbewerb und der fortschreitenden Verlagerung der Leistungen in den ambulanten Bereich seine Organisationsstrukturen neu ausrichten. Neben der Zentrenbildung und Aufbau neuer Versorgungskonzepte wird es darauf ankommen, interprofessionelle Prozesse weiter zu optimieren, auf der Schnittstelle von Aufnahme und Entlassung Versorgungsbrüche zu vermeiden und die Patientenorientierung zu verstärken.

Case Management Abb. 1Die Etablierung von Mitarbeitern, die unter Anwendung von Case Management Verantwortung für die Versorgungssteuerung übernehmen, stellt dabei ein wichtiger Baustein in der Neuorganisation von Führungs- und Personalstrukturen dar. Versorgungssteuerung bei Aufnahme und Entlassung aber auch während des stationären Aufenthaltes wird insbesondere bei Patienten mit komplexen Versorgungs- und Lebenssituation an Bedeutung zunehmen. Dort wo standardisierte Abläufe in der Prozessumsetzung und ökonomischen Steuerung bei diesen Patienten nicht mehr reibungslos im Alltag von Medizin und Pflege zu bewältigen sind, sind Mitarbeiter gefragt, die eine übergreifende Koordination übernehmen (Abb. 1).

Patientenkoordination ist dann ein Ansatz, bei dem ausgewählte Mitarbeiter in den klinischen Alltag der Fachabteilungen integriert werden, die Case Management Methoden zur Identifizierung, Beurteilung und Steuerung von ausgewählten Patienten übernehmen. Auf der Versorgungsschnittstelle im Aufnahme- und Entlassungsmanagement, beim Verweildauermanagement oder der Steuerung komplexer Fälle ist ein „360 Grad Blick auf den Patienten“, eine spezielle Beratung im DRG- und MDK Management und auch die enge Vernetzung mit den Vor- und Nachversorgern gefragt.

Dabei sind die Patientenkoordinatoren nicht nur zentraler Ansprechpartner für „ihre“ Patienten, sondern übernehmen auch die gesamte fachliche Verantwortung aus einer Hand. Das Team rekrutiert sich in der Regel aus dem Sozialdienst, der Pflegeüberleitung oder der Kodierung. Also aus Bereichen, die heute meistens unabhängig voneinander handeln. Somit umfasst die Qualifizierung den Wissenstransfer aus den Bereichen DRG- / MDK-Management, Pflege-und Sozialberatung sowie besondere Kenntnisse in Kommunikation und Konfliktmanagement.

Mehrwerte einer Patientenkoordination

Erste Projekte haben gezeigt, dass die Einführung einer Patientenkoordination deutlich zur Verbesserung der Erlös-und Kostensituation durch Senkung von Verweildauer und „Drehtüreffekten“ beiträgt. Mittelfristig wird sich aber auch eine höhere Patienten- und Zuweiserbindung durch Steigerung der Qualität in der Patientenversorgung ökonomisch positiv auswirken. Der zu erzielende Imagegewinn führt zu klaren Wettbewerbsvorteilen. Dabei wird gleichzeitig auch eine höhere Effizienz in der Patientenversorgung durch die Vernetzung mit externen Partnern (Pflegeeinrichtung, Reha-Kliniken, Sanitätshäuser) erreicht.

Mit der Patientenkoordination entsteht eine neue Säule in der Krankenhausorganisation aufgebaut, die Medizin und Pflege in „zeitfressenden“ Aufgabengebieten deutlich entlastet und das interprofessionelle Denken und Handeln fördert. Zudem führt eine transparente und strukturierte Patientenbetreuung zu einem verbesserten Risikomanagement und reduziert bzw. vereinfacht MDK Anfragen.

Einführung von Patientenkoordination

Case Management Abb. 2Nachhaltige Veränderung in Strukturen und Prozessen, wie sie bei der Einführung einer Patientenkoordination notwendig sind, bedürfen einer strategischen Planung und Projektsteuerung durch die Geschäftsführung. Die Neudefinition von Rollen und Aufgaben, die Veränderung in den alltäglichen Prozessen und auch die Positionierung der Patientenkoordinatoren in den Fachabteilungen erfordert ein strukturiertes Projektvorgehen. Dabei spielen die Haltung der Führungskräfte und die Bereitschaft zu Veränderungen eine wesentliche Rolle, um die Akzeptanz und Unterstützung im Veränderungsprozess zu erhalten. Um diese Akzeptanz zu schaffen haben wir neue Methoden entwickelt, die mögliche Reibungsverluste frühzeitig identifizieren und bearbeiten, so dass eine Beschleunigung des Gesamtprozesses der Einführung erreicht, die Motivation der Beteiligten über den Prozess gestärkt und damit die Nachhaltigkeit der Veränderung in der Zusammenarbeit gesichert wird.
In der Praxis hat sich ein mehrstufiges Vorgehen für die Etablierung einer Patientenkoordination als vorteilhaft erwiesen (Abb. 2). Dabei ist es sinnvoll, die unterschiedlichen Handlungsfelder (Aufnahme- Betten- Entlass- Verweildauer-Management u.a.) über Teilprojekte in mehreren Schritten einzuführen. Es hat sich bewährt, dabei mit dem Entlassmanagement (Optimierung der Überleitung, medizinische Entlassplanung und verbesserte Durchführung der Entlassung) zu starten.

Case ManagementAusgehend von einer Standortbestimmung sollten zunächst die Ziele und damit die Erwartungshaltung der Geschäftsführung an die Patientenkoordination erarbeitet werden. Aufbauend auf dem Projektauftrag lassen sich dann Prozesse beschreiben und Instrumente entwickeln, die später den Realbetrieb absichern. Im Aufbau des neuen Teams Patientenkoordination werden vorhandene Mitarbeiter auf ihre neue Rolle qualifiziert und in die Struktur integriert. Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen und die zu integrierenden IT-Systeme festgelegt. Nach Kommunikation und Schulung der neuen Prozesse aller in den Fachabteilungen betroffenen Mitarbeiter aus Medizin und Pflege erfolgt dann ein Übergang in den Regelbetrieb, welches anschließend alle drei bis sechs Monate auf Basis der zuvor formulierten Ziele überprüft und angepasst werden sollte.

Ihr Ansprechpartner: Detlef Friedrich
 
Abbildungen:

Abbildung 1: Aufgabengebiete in der Patientenkoordination
Abbildung 2: Vorgehen zur Einführung der Patientenkoordination

Links:
com2health / QualiGes / contec

Autor:

Dominik DeimelDr. med. Dominik Deimel

Geschäftsführender Gesellschafter, com2health GmbH

contec - Gesellschaft für Organisationsentwicklung mbH | BioMedizinZentrum Ruhr, Universitätsstraße 136, 44799 Bochum

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