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Dienstag, 09 Januar 2018 10:36

contec Talk Management & Pflege in Berlin

contec Talk 1 kleinAm 17. Oktober 2017 trafen sich im Hotel Albrechtshof in Berlin Geschäftsführungen, Personalleitungen sowie Leitungskräfte aus dem Pflegemanagement zum contec Talk unter dem Thema „Sollbruchstelle Pflegemanager – die Führungskraft der Zukunft“. Durch den Nachmittag führte Silvia Breyer (Leitung Personalmanagement und -entwicklung), die Referenten und Gäste miteinander ins Gespräch brachte.

 

Der contec Talk Management & Pflege erwartete die Gäste mit fundierten Beiträgen und Impulsen aus Wissenschaft und Praxis. Frau Barbara Pews (Management- und Organisationsberaterin und Teamleitung Pflegemanagement bei der contec GmbH) gab einen Impuls aus ihrer Erfahrung mit den Anforderungen an das  Pflegemanagement und zeigte  „häufige Befunde“ bei Unsicherheiten des Pflegemanagements auf. Stiftungsvorstand und Einrichtungsleiter Herbert Keufner aus der St. Laurentius-Stiftung in Elmpt (NRW) vertiefte die Problemanalyse mit seinen Erfahrungen als operativ tätige Leitungskraft, indem er die unter seiner Verantwortung langjährig praktizierte Pflegeaufbauorganisation offen hinterfragte. Er warf die Frage auf, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit sich Leitungskräfte in der Pflege  von der Pflegedienstleitung hin zu einem Pflegemanagement entwickeln können. Den Unterschied zwischen der Leitung eines Pflegedienstes hin zum Management skizzierte  Herbert Keufner, indem er die Anforderungen an das heutige Pflegemanagement deutlich herausstellte. Dass diese Anforderungen mit einer Weiterbildungsmaßnahme im Sinne des SGB XI nicht abzudecken sind, ließ sich im Teilnehmerkreis einstimmig konsentieren. Herr Keufner entließ den Teilnehmerkreis aber nicht mit dieser Erkenntnis – er forderte über die „Ertüchtigung der Pflegeleitungsstrukturen“ weiterhin, dass die Pflegeaufbauorganisation ausgehend von der Anforderung  neu durchdacht wird. Solange das Pflegemanagement sich damit beschäftige, Fach- und Organisationsmängel in der pflegerischen Dienstleitungserbringung zu korrigieren und zu kompensieren, könne keine strategische Komponente in das Pflegemanagementhandeln eingefügt werden. Es gebe Lösungskonzepte, diese kommen jedoch laut Herbert Keufner nicht ohne eine höchstqualifizierte, konzeptionell denkende und handelnde Dimension im Pflegeteam aus. In diesem Sinne appellierte  Herbert Keufner  auch an die Anbieter der vollstationären Pflege-Dienstleistungen, Einmündungsfelder für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen aufzuzeigen. Auch diese Forderung wurde im Teilnehmerkreis übereinstimmend offen unterstützt und die Relevanz des Themas durch die Beiträge der Talk-Gäste bestätigt.contec Talk 3 klein

Mit ihrem Impulsvortrag aus der Wissenschaft fügte Dr. rer. cur. Elisabeth Schloeder schließlich das Bild über den Handlungsbedarf vollständig zusammen. Frau Dr. Schloeder wendete ihre wissenschaftliche Expertise auf die „häufigsten Befunde“ aus der Managementberatung an und sieht die Ursachen dafür u.a. in dem Fehlen „kultureller Aspekte wie z.B. einer konstruktiven Fehler-, Lern- und Problemlösungskultur“ in den Herangehensweisen des Pflegemanagements. Die Auswirkung dieser kritischen Betrachtung des praktizierten Pflegemanagements stellte Frau Dr. Schloeder schonungslos entlang der Gallup-Studie (2014) bezugnehmend auf Motivation, Leistungsbereitschaft und Fluktuation der Mitarbeitenden und  Leitungskräfte dar. Die Konsequenzen für die Unternehmen: „Die Herausforderung im Sinne der Sollbruchstelle Pflegemanagement stellt einen Kulturwandlungsprozess dar, der durch Kompetenzentwicklung zu einer (Neu)Gestaltung der Unternehmenskultur befähigt“. Als konkrete Anforderung formuliert Dr. Schloeder die Entwicklung einer, wie von der contec GmbH geforderten, „PDL-Exzellenz, die durch eine überzeugende Mission und Vision motiviert, die Durchsetzungsvermögen besitzt und im Umgang  mit Widerständen kompetent ist; eine PDL-Exzellenz, die eine Kultur klarer Verantwortlichkeiten kennt, die eine von Vertrauen, Transparenz und offenem Dialog geprägte Kommunikation schafft und schließlich Entscheidungen trifft, die auf Wertschöpfung und Produktivität fußen, ohne die Fragen des pflegerischen Ethos außer Acht zu lassen“.

Der Handlungsbedarf für eine anforderungsgerechte Aufstellung des Pflegemanagements war zum Ende der Veranstaltung ebenso  deutlich herausgestellt wie die Dimension dieses Veränderungsprozesses. Eine Geschäftsführerin aus Stralsund gab zum Schluss noch einen weiteren wichtigen Hinweis: „In dem System des Überfordert-Seins kennen wir uns gut aus“. Das macht deutlich: Der Impuls für die Veränderung kommt wahrscheinlich nicht aus der Rolle der Funktionsträger Pflegedienstleitung selbst, sondern muss durch die Unternehmensleitung erfolgen.

Wir freuen uns auf den nächsten Talk, der sich mit den Wirkungen der Pflegewissenschaft auf die Pflegepraxis befassen wird.

Autorin: Barbara Pews, contec GmbH, Stuttgart
Coautorin: Dr. rer. cur. Elisabeth Schloeder, Heilbronn

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